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Paare schmieden ihre stählernen Trauringe selbst


Markus Buchholz und Barbara Kruse leiten Laien aus ganz Deutschland in individuellen Kursen an. Der Erfolg ihres kleinen Unternehmens Hecho-a-Mano – das heißt „handwerkliche Fertigung“ auf Spanisch – beruht auf einzigartigen Schmuckstücken, aufwendigem Handwerk, Experimentierfreudigkeit, umfassendem Kundenservice und 70 Stunden-Wochen.

Selbst geschmiedete Eheringe aus Damaszenerstahl hat nicht jedes Paar. Unter Anleitung von Markus Buchholz und Barbara Kruse können Paare, die sich trauen, ihre individuellen Ringe ganz nach Geschmack in einem eintägigen Kurs anfertigen, sie den Herrenring und er den Damenring. „Bisher haben das alle Paare gut geschafft“, erzählen der Schmied und die Kauffrau, die gemeinsam Hecho-a-Mano bilden. „Diese Kurse gibt es deutschlandweit nur bei uns“, erklärt Markus Buchholz, und so kommen die Kunden auch aus dem gesamten Bundesgebiet, viele aus Süddeutschland. Um auch symbolisch an ihrem Eheglück zu schmieden, ist den Heiratswilligen kein Weg zu weit.


Schon die Schwerter der Kelten waren aus Damaszenerstahl.


Damaszenerstahl ist ein extrem haltbares Material, aus dem schon die Kelten ihre Schwerter schmiedeten. „Sie haben die weichen Bronzeschwerter der Römer einfach durchgeschlagen“, weiß Handwerker Buchholz, der die ersten 20 Jahre seines Berufslebens als Software-Entwickler und Systemadministrator verbracht hat. Immer nur mit dem Kopf zu arbeiten, das machte den Oberhausener auf Dauer nicht glücklich. Er begann, zum Ausgleich Jagdmesser aus gefaltetem Damaszenerstahl zu schmieden. Wer sowas braucht? „Die meisten Kunden kamen aus der Frankfurter Bankerszene. Die brachten mir Geweihknochen, an denen noch Fell hing, für die Griffe. Ich musste erst mal ein Verfahren entwickeln, um die Knochen für diesen Zweck vorzubereiten“, blickt Buchholz schmunzelnd zurück. Irgendwann wünschte ein Jägersmann eine Stahlbrosche für seine Frau, und Markus Buchholz‘ Erfolgsgeschichte als Kunsthandwerker begann mit diesem ersten Schmuckstück.


Der 45-Jährige strahlt eine gelassene Ruhe aus. Ihm liegt es, Kniffeliges so lange auszuprobieren, bis es endlich klappt. Bis er sich selbst beigebracht hatte, Ringe mit filigransten Mustern zu schmieden, musste er „viel Lehrgeld bezahlen und jede Menge Entwicklungsarbeit leisten“. Sein Job in der Computerbranche ermöglichte ihm das. Seit 2010 ist das Schmieden nach uraltem Verfahren sein Hauptberuf. Aus 20 feinen Schichten zweier Stahlsorten fertigt er zunächst in Sandwich-Technik 50 cm lange Barren an, das Rohmaterial für die Ringe. In einem Ätzbad mit Säure reagiert eine der beiden Stahlsorten mit Bildung einer schwarzen Oxydschicht, die andere bleibt silberfarben. Daraus ergeben sich später feinste Muster, die je nach Bearbeitung sehr verschieden aussehen können. Pro Ring braucht Buchholz ein bis zwei Tage.
 

Trauringe von Hecho-a-Mano

Das Sortiment besteht zu 90 Prozent aus Trauringen.


Das Hecho-a-Mano-Sortiment besteht zu etwa 90 Prozent aus Trauringen, denn für ihre – hoffentlich – lebenslang zu tragenden Ringe wünschen sich viele Paare etwas ganz Besonderes und sind bereit, bis zu 4000 Euro auszugeben. Falls sie ihre Ringe selbst schmieden, kommen 240 Euro für den Kurs dazu, egal, ob sie sechs oder acht Stunden brauchen, bis ihre Ringe vollendet sind. „Wir richten uns ganz nach den Möglichkeiten des Paares“, betont Barbara Kruse. „Wenn Interessenten nur 500 Euro für ihre Ringe ausgeben möchten, geht das selbstverständlich auch. Ich berate sie ausführlich und erkläre ihnen, dass bei der ausdruckstarken Struktur, die unsere Ringe ohnehin haben, beispielsweise ein Stein verzichtbar wäre. Wer möchte, kann aber auch Edelmetalle wie Gold oder Patin mit integrieren.“ Beim Beratungsgespräch vermittelt ein Video im Showroom, wie die Ringherstellung abläuft.


Die Paare bringen nicht nur ihre Vorstellungen von den idealen Ringen mit, sondern auch ihre Beziehungsgeschichten. „So ein Gespräch kann bis zu drei Stunden dauern.“ Wegen der persönlichen Atmosphäre, aber auch wegen des hohen Verletzungsrisikos nimmt nur ein Paar pro Kurs teil. Unter Markus Buchholz‘ Anleitung legen sie los - ohne Leistungsdruck, aber mit viel Spaß. „Unser Motto ist: alles kann, nichts muss“, das ist Barbara Kruse wichtig. Der Profi kann jederzeit übernehmen. Manche Schmiedeanfänger sind überrascht von ihrem Können, wie der zögerliche Bräutigam, der immer beherzter mit dem Hammer hantierte. Denn es geht nicht vorrangig um Kraft, sondern vielmehr um zielgerichtete Schläge.


Kunden laden sie oft zu ihrer Hochzeit ein.


Barbara Kruse ist 2012 in das Einmann-Unternehmen ihres Lebenspartners eingestiegen, als er dringend jemanden für das Kaufmännische brauchte. Die 48-Jährige war zuvor als Abteilungsleiterin im Kundenservice tätig und „nach zähen Gehaltsverhandlungen“, wie er schmunzelnd einwirft, wagte auch sie den Sprung in die Selbstständigkeit. Mit dem Schmieden, der eigenen Herstellung spezieller Werkzeuge und dem Online-Marketing für den Vertrieb ist Markus Buchholz mehr als ausgelastet. „Meine Arbeitswochen haben mindestens 70 Stunden, das ist der einzige Nachteil. Er ist als stiller, ausdauernder Mensch in seiner Werkstatt in seinem Element, seine lebhafte Partnerin liebt den Kundenkontakt. „Ich helfe Markus aber auch bei leichteren handwerklichen Aufgaben wie dem Schleifen der Ringe von innen.“


Beide sind glücklich mit ihrer Rollenverteilung und mit ihrem gemeinsamen Unternehmen. „Unsere Kunden, vor allem die Paare in den Kursen, sind sehr dankbar und begeistert“, freuen sie sich. „Viele Freundschaften haben sich entwickelt.“ Ihre intensive Zuwendung zu den Paaren, die Individualität ihrer schönen Produkte, das aufwendige Handwerk und nicht zuletzt ein perfekter Kundenservice inklusive des Versendens von Proberingen (wegen der passenden Größe), lebenslanger kostenloser Pflege der Ringe sind die ideale Kombination für einen erfolgreichen Betrieb.
 

Markus Buchholz und Barbara Kruse

„Das ist für uns die schönste Art, Geld zu verdienen.“


Mit dem Showroom im Kreativ.Quartier Lohberg ist das kreative Paar sehr zufrieden, er war von Anfang an gut besucht. „Wir sind über die Duisburger Wirtschaftsförderung hier hin gekommen“, berichtet Markus Buchholz, „dort und in Oberhausen gab es nichts Passendes für uns. Hier haben wir sofort das Potential gesehen.“ Kruse ergänzt: „Ein Ladenlokal in der Innenstadt wäre für uns ungünstig, weil wir den Showroom nur an zwei Tagen in der Woche öffnen, lediglich nach Terminvereinbarung auch an anderen.“ Die beiden haben aus der früheren Verbandsstube im ehemaligen Gesundheitshaus einen attraktiven Verkaufsraum mit hochwertiger Ausstattung geschaffen. Den wandhohen alten Apothekerschrank strichen sie weiß, massive Holztische harmonieren mit den dunklen Wänden, in die Vitrinen für die Ringe, Ohrringe und Armbänder eingelassen sind, Kerzenlicht trägt zur wohltuenden Stimmung bei.


Die Schmiedewerkstatt selbst befindet sich nach wie vor in Oberhausen, ihrem Wohnort. „Später möchten wir einen alten Bauernhof kaufen, um an einem Ort zu wohnen und zu arbeiten“, verrät Buchholz. Aber das hat Zeit. Im KQL gilt ihre Bestandsgarantie bis 2018. Mit den Kollegen im Quartier verstehen sie sich gut, mit dem Upcycling-Künstler Thomas Zigahn teilen sie sich gerade im ehemaligen Victor Hugo in der City einen Leerstand, in dem sie Werbung im Schaufenster zeigen. Außer eigenen Schmuckschachteln und Tüten gibt es sogar Zuckertütchen im schwarz-orangenen Corporate Design, die in ausgewählten Cafés den Kaffee süßen. Markus Buchholz und Barbara Kruse achten auf jedes Detail, ob beim Schmuckstück oder beim Marketing. Und warum hat ihre Ruhrgebietsfirma einen spanischen Namen? „Ich habe mal in Venezuela gelebt“, antwortet Buchholz schlicht. Ach ja? Der Mann hätte noch viel zu erzählen, aber er muss jetzt dringend wieder an die Arbeit. Das nächste Paar Ringe mit einer ganz persönlichen Geschichte wartet.


Gudrun Heyder

 


INFO

 

Der Showroom im Kreativ-Quartier Lohberg an der Hünxer Straße 372 hat dienstags von 16 bis 19 Uhr geöffnet und mittwochs von 12 bis 19 Uhr, nach Terminvereinbarungen auch außerhalb dieser Öffnungszeiten. An Schmiedekurs-Tagen bleibt der Showroom geschlossen, daher bitte immer die aktuellen Öffnungszeiten prüfen.

 

Kontakt: 02064-97 08 370 (Mo-Fr 10 bis 19 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr)

 

www.hecho-a-mano.eu
www.trauring-schmieden.de
 

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